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Die Wahl im Iran bewegt zur Zeit weltweit die Menschen und Medien. Und während man als Außenstehender noch rätselt, ob die Iraner wirklich ihren Hardliner wiedergewählt haben (irrationale Dinge passieren ja manchmal, auch in Europa), oder ob die Wahl gefälscht war, lässt die iranische Regierung nichts anbrennen und versucht die öffentliche Diskussion zu unterdrücken. BBC-Reporter wurden festgenommen, auch ARD- und ZDF-Korrespondenten haben Hausarrest oder Berichtsverbot. In umgekehrter Richtung wird der Satellitenempfang des Nahostprogramms der BBC gestört (Spiegel, NZZ).
Das Internet beweist wieder einmal, warum Machthaber es fürchten. Obwohl Twitter, Facebook und YouTube gesperrt sind, werden Bilder und Informationen wetlweit verbreitet. Die Berichte auf Revolutionary Road und von @persiankiwi und @Change_for_Iran sind weder zuverlässig noch neutral, dennoch bieten sie ein gutes Bild von Chaos, Gewalt und Unsicherheit vor Ort. Drumherum entsteht weltweit eine Menge Bewegung:
Es werden Listen von Proxyservern verbreitet, damit Iraner die Sperrung der Social Media-Dienste umgehen können. Anleitungen für Beobachter, wie man die Informationsflut auf Twitter und in Blogs filtert und versteht, werden veröffentlicht. Aufrufe kursieren, seine Solidarität auszudrücken, grüne Kleidung oder grüne Avatarbilder sind angesagt (#weargreen). Anderswo wird zur DDoS-Attacke auf die Webseiten der iranischen Regierung aufgerufen, um Propaganda und Verwirrung zu verhindern. Wer technisch Bescheid weiß, warnt wiederum davor, denn wenn das gesamte iranische Netz überlastet ist, dringen auch keine Nachrichten mehr über die Proteste nach außen. Protest vor (oder am besten in) iranischen Botschaften wird ebenso gefordert.
Die dezentrale Berichterstattung aus dem Netz ist also hochspannend. Und sie funktioniert, wenn man ein bisschen vielbeschworene Medienkompetenz und Abstand mitbringt.
Gespeichert unter: gute vorstellung, politik | Schlagworte: blog, gesellschaft, internet, netzpolitik, politik
In meinem Feedreader sind momentan ca. 50 Blogs abonniert. Viele überfliege ich nur, aber es sind auch einige spannende und wichtige Anlaufstellen dabei. Diese sollen in loser Reihe hier in der nächsten Zeit vorgestellt werden.
Den Anfang macht netzpolitik.org. Markus Beckedahl, Ralf Bendrath und die anderen Autoren bezeichnen ihre Arbeit als
Blog und eine politische Plattform für Freiheit und Offenheit im digitalen Zeitalter.
Auf netzpolitik.org bündeln sich häufig die wichtigen Themen und Kampagnen der Informationsgesellschaft, wie zuletzt der Protest gegen die Internetzensur, aktiver Lobbyismus gegen die „Three-Strikes-Out“ im Telekompaket der EU oder gegen die Vorratsdatenspeicherung.
Um über aktuelle politische und rechtliche Fragestellungen rund um die digitale Gesellschaft auf dem Stand zu sein, sind die nie neutralen aber immer fundierten Artikel eine gute Quelle.
URL: http://netzpolitik.org/
RSS-Feed: http://netzpolitik.org/feed/
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„Abofallen werden immer ausgefuchster“ titelte heise online gestern und gab Tipps zum Umgang:
Wer eine ungerechtfertigte Rechnung erhält, sollte widersprechen, sich
von einer juristischen Drohkulisse nicht einschüchtern lassen und auf
keinen Fall bezahlen
Ein bisschen Angst wird auch geschürt:
Jeder Klick kann teuer werden: Hinter seriös aussehenden Seiten mit
vermeintlichen Freeware-Downloads stecken mitunter teure Abofallen.
Dabei ist es doch gar nicht so schwer. Man kann sich nach wie vor anonym im Netz bewegen. Auch wenn mancherorts schon von einer Registrierungspflicht mit Personalausweis geträumt wird. Zwar ist man potenziell anhand der IP-Adresse identifizierbar, aber dafür müsste die Betrügerfirma erstmal ein Gericht einschalten.
Also bleibt der Grundsatz ganz einfach: Gib niemandem deine Daten, außer es ist unbedingt nötig. Im Detail wurde das an dieser Stelle ja schon thematisiert (Trau, schau wem. Belüg den Rest.) Dann können die Abofallensteller meinetwegen noch so „ausgefuchst“ werden.
Gespeichert unter: politik | Schlagworte: demo, internet, internetsperre, provider, vonderleyen, zensur, zensursula
Heute morgen fand ab 9.00h vor dem Pressezentrum der Bundesregierung die Mahnwache gegen Internetzensur statt. Anlass war die Unterzeichnung der Verträge zwischen Internetprovidern und der Bundesfamilienministerin, in denen sich die Provider verpflichten, DNS-Sperren gegen kinderpornographische Webseiten umzusetzen. Wegen massiver Zweifel an der Wirksamkeit und Rechtsstaatlickeit der Maßnahme hagelte es Proteste. Eine gute Zusammenfassung der Kritik liefert heise.de
Zur Mahnwache fanden sich geschätzt 500 gut gelaunte Menschen auf dem Vorplatz des Besucher- und Pressezentrums ein, mit kritischen Botschaften an Familienministerin Ursula „Zensursula“ von der Leyen. Viele Pressevertreter machten sich ein Bild von dem Protest, bevor sie im Pressezentrum die Unterzeichnung der Verträge dokumentierten. Wie breit sich die Mahnwache tatsächlich in der Berichterstattung widerspiegelt, bleibt abzuwarten.
Nach einer Stunde wurde die Veranstaltung offiziell aufgelöst, ein Teil der Demonstranten zog noch zum Hintereingang des Gebäudes weiter, um dort die Abfahrt der Provider und Politiker abzuwarten. Nach einigen Minuten begann die Polizei allerdings, Platzverweise auszusprechen, was die Veranstaltung dann endgültig beendete.
Eine Diskussion mit Providern oder Politikern entstand zwar nicht, eine bunte und friedliche Menschenmenge hat aber deutlich gemacht, dass eine populistische Wahlkampfkampagne nicht die Form ist, in der mit so brisanten Themen umgegangen werden sollte.
Gespeichert unter: politik | Schlagworte: durchsuchung, finnland, internet, netzsperre, vonderleyen, w3c, wikileaks, zensur
Frau von der Leyen versucht ja gerade, ein Internetzensursystem „im Kampf gegen Kinderpornografie“ in Deutschland durchzudrücken. Im Zentrum stehen dabei schwarze Listen, auf denen die illegalen Seiten geführt werden, die die Internetprovider dann ihren Kunden nicht mehr anzeigen sollen. Dieses System lobt die Ministerin, in „den skandinavischen Ländern“ würde es funktionieren.
Man sieht ja, wie gut es funktioniert: Im vergangenen Jahr wurde in Finnland die Website des W3C gesperrt, dem wichtigen World Wide Web Consortium, das für Internet-Standards zuständig und jeglicher Pornographie gänzlich unverdächtig ist. Dass es dennoch auf der Sperrliste landete, zeigt, wie willkürlich und intransparent dieses System ist.
Dieser und weitere ähnliche Fälle werden von Bürgerrechtlern natürlich gern als Argument gegen die Errichtung eines solchen Zensursystems gebraucht. Es gibt nur einen Haken: Die Sperrlisten sind streng geheim. Zurecht, denn sonst wären sie ein excellenter Reiseführer zu den unerwünschten Inhalten. Nur, wie will man gegen das System argumentieren, wenn man seine Schwächen nicht veröffentlichen und analysieren darf?
Hier hilft die anonyme Plattform Wikileaks. Sie bietet „Whistleblowern“ aus aller Welt Gelegenheit, brisante interne Dokumente an Presse und Öffentlichkeit zu bringen, ohne Jobverlust oder gar Strafverfolgung zu riskieren. Auf Wikileaks wurden Sperrlisten aus mehreren Ländern veröffentlicht. Und ihre Analyse ergab häufig brisantes: Nur ein geringer Teil der blockierten Seiten hat tatsächlich mit Kinderpornografie zu tun. Davon wird wiederum ein großer Teil von Deutschland und anderen europäischen Ländern aus verbreitet, wäre also für Strafverfolger greifbar. Die Veröffentlichung der geheimen Listen hat den Kritikern von Netzsperren starke Argumente geliefert.
Gestern abend wurden von der deutschen Polizei die Wohnungen des Inhabers der Adresse „wikileaks.de“ durchsucht. Unter dieser Domain ist die Plattform in Deutschland erreichbar. Der Vorwurf: Verbreitung von pornografischem Material. Schließlich sind über seine Domain ja die Listen verfügbar, die wiederum auf die unerwünschten Seiten verweisen. Die Durchsuchung erfolgte wegen „Gefahr im Verzug“ offenbar ohne richterliche Genehmigung.
Geht der Dilettantismus jetzt noch ein halbes Jahr bis zur Wahl so weiter?
(ChildCare zeigt stichprobenhaft, was möglich ist, wenn man an der richtigen Stelle ansetzt.)
Mehr:
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Aus aktuellem, bedrückendem Anlass dreht sich wieder das hektische Karussell um Killerspiele, Waffen und dieses komische Internet. Die Diskussion ist wichtig, so manchen Beitrag kann man sich allerdings sparen.
Es mag angesichts des sehr konkreten Dramas zynisch sein, einen Blick auf das große Ganze werfen zu wollen – aber es lohnt sich. „Amok: Geschichte einer Ausbreitung“ von Heiko Christians ist ein guter Ausgangspunkt. Amok wird als kulturelles und mediales Phänomen betrachtet, mit vielen kulturgeschichtlichen Seitenblicken, etwa auf Stefan Zweig (Der Amokläufer, 1922), Martin Scorcese (Taxi Driver, 1976) oder auf die „Bild“-Zeitung („Amok-Wespen!“ im Sommerloch).
„Die Welten des Amok und die Welten der Unterhaltung sind untrennbar verschränkt.“ Die Medien sind unschuldig am Amok, schuld aber an seiner Fehletikettierung als Epidemie. Wenn das Subjekt heute ein „pausenloser Schauspieler seiner selbst“ ist, dann gilt das eben auch für den Amokläufer und seine Mimesis zweiter Ordnung, erklärt aber nichts. Christians spürt dem Amok darauf als Motiv und Motivation in beiden Welten nach.
FAZ-Rezension, Februar 2009
Neben Polizeipräsidenten, Ministern und Geistlichen haben auch Kulturwissenschaftler den einen oder anderen Beitrag anzubieten. Die kommen bloß selten ins Fernsehen.
Gespeichert unter: medienzirkus | Schlagworte: datenschutz, internet, mail, phishing, privatsphäre, realname, skl, spam, telekom
Die illegalen Überwachungen bei der Telekom und die aktuelle Affäre um verkaufte Bankdaten von Lotteriespielern zeigen es: Berge von sensiblen Daten wecken Begehrlichkeiten. Wenn die Möglichkeit da ist, werden unsere privaten Informationen ganz routiniert ausgeschlachtet. Und der Staat steht den Verbrauchern nicht zur Seite, im Gegenteil, mit der Vorratsdatenspeicherung spielt er seit Anfang dieses Jahres ganz vorne mit. Wir sind also auf uns selbst gestellt.
Beim Abschluss eines Telefonvertrages kommt man wohl um die Preisgabe seiner Daten nicht herum. In vielen Bereichen können wir allerdings eine Menge dagegen tun, betrogen und belästigt zu werden. Dabei kann man auch ruhig mal gegen lästige AGB verstoßen und sich vor unangemessenen Pflichtangaben drücken. Denn eine Menge Unternehmen habe unser Vertrauen nicht verdient. Im Folgenden einige Grundsätze gesunder Paranoia: weiterlesen…
Gespeichert unter: medienzirkus | Schlagworte: de:bug, internet, netzneutralität, politik
In der aktuellen Ausgabe der de:bug ist Netzneutralität ein Thema. Chefredakteur Anton Waldt gibt den Pessimisten und orakelt griffig:
Wenn das Spiel schlecht ausgeht, wird uns das Internet von heute in zehn Jahren ähnlich fantastisch und faszinierend vorkommen, wie die Tatsache, dass in den 70ern wildfremde Leute ohne Kondom Sex hatten.
Letztendlich sei es Sache des Nutzers, einzufordern, dass weder Staaten noch Provider der Versuchung von Zensur und Inhaltsfiltern erliegen, die die fortschreitende Technik möglich macht. Ganz konkret schließt sich de:bug den Zehn Forderungen für eine zeitgemäße Netzpolitik von Markus Beckedahl von netzpolitik.org an. Ein bisschen Internet-Historie und Piratenkultur gibt’s auch noch dazu.
de:bug lesen lohnt sich auch jenseits von Hippie-Sex-Vergleichen, netzpolitik.org sowieso. (Wer vergessen hat, wo man Printprodukte erwerben kann, klickt hier.)


