partikelfernsteuerung


Cleverer Datenschutz bei abgeordnetenwatch.de

Auf der Politikplattform abgeordnetenwatch.de können Bürger Fragen an ihre Abgeordneten stellen. Die Seite hat sich eine hohe Meinungsmacht erarbeitet, so dass Politiker, die sie ignorieren, nicht gut dastehen.

Es wird darauf bestanden, dass fragestellende Bürger sich mit ihrem vollen Realnamen anmelden. In den FAQ wird auch erklärt, warum:

Warum müssen Fragesteller ihren vollständigen Namen angeben?
Durch diese Regelung wollen wir den Dialog zwischen Fragestellern und Abgeordneten auf gleicher Augenhöhe gewährleisten und einer möglichen, durch das Medium Internet bedingten, Anonymität vorbeugen. Deshalb finden wir es wichtig, dass der Fragesteller seinen vollständigen Vor- und Nachnamen angibt.

Das ist soweit verständlich, die Bereitschaft der Abgeordneten, auf Fragen von babsi79 zu antworten, wäre wahrscheinlich eher gering. Doch ebenso wenig möchte Klaus Mustermann, dass eine einfache Internetsuche ihn weltweit als politisch aktiven Menschen offenbart, der kritische Fragen zu Hartz IV stellt. Was also tun? Es gäbe die Möglichkeit, den Bots von Google&Co. den Besuch der Seiten komplett zu verbieten. Dann würden die wertvollen Dialoge zwischen Bürgern und Politikern allerdings dort gar nicht mehr auftauchen.

Bei abgeordnetenwatch.de hat man einen anderen Weg gewählt. Die Namen der Fragesteller werden als Grafik im Text eingebunden (Beispiel). Dadurch sind sie für Suchmaschinen nicht als Buchstaben lesbar und sind somit nicht per Suchabfrage zu finden. Der Rest des Textes, also Frage und Antwort werden aber normal analysiert und archiviert. Das Schriftbild und die Barrierefreiheit werden nur in erträglichem Maße in Mitleidenschaft gezogen, JavaScript ist für die Anzeige auch nicht nötig.

Die Grafiken werden offenbar automatisch generiert und mit zufälligem Dateinamen („/images/namen/arial.ttf/9/afd1a3329ed527f0c9d890c4fbf4d448.gif“) gespeichert. Einziges Risiko: Der Abgeordnete nutzt das System nicht korrekt und schreibt in seiner Antwort den Namen normal in seinen Text (Beispiel, dank Tippfehler zum Glück irrelevant).

Fazit: Ein cleverer Kompromiss, der einerseits der Anfrage eine gewisse Fallhöhe gibt, indem der Realname veröffentlicht wird, der aber andererseits der Allwissenheit der Suchmaschinen entgegenwirkt. Wer komplette Anonymität wünscht, wird sicherlich auch mit einem glaubwürdigen Pseudonym davonkommen.

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4 Kommentare so far
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Leider überhaupt nicht barrierefrei, jeder der nicht in der Lage ist, Bilder zu verarbeiten sieht nix. Das ist leider nicht nur google, sondern auch der blinde Benutzer mit einem Screenreader.

Insofern ist die Idee nicht wirklich umfassend verwendbar. Und allzu bald wird auch der einzige Vorteil weg sein: Wie lange wird es wohl noch brauchen, bis Google anfängt Text in Bildern zu erkennen? Ich tippe mal, dass sie da schon stark am arbeiten sind, aber noch keine zufriedenstellende Qualität sicherstellen können. Also nur noch eine Frage der Zeit.

Und wenn man sich dass nun anguckt, ist der Kompromiss irgendwie genausowenig Clever, wie es das „Beschützen“ von Bildern vorm Speichern durch verbieten des rechten Mausklicks durch Javascript war….

Kommentar von jonas

Screenreader werden leider mit dem Bild nichts anfangen können, da hast du Recht. Aber der Rest des Textes ist auch für blinde Nutzer zugänglich. Und in diesem Falle halte ich den Namen des Fragestellers für weniger relevant als die Frage und die Politikerantwort, so dass sich das verschmerzen lässt.

Google wird bald sicher auch Bilder semantisch verarbeiten, mit ihrem Image-Labeler-Spiel lassen sie ja schon heute Benutzer Bilder inhaltlich beschreiben. Das Erkennen von Text ist ja sowieso schon länger ziemlich gut entwickelt. Der Zugriff auf den Ordner mit den Grafiken ließe sich aber für Webcrawler mit einem robots.txt-Eintrag verbieten. Und an diese halten sich alle relevanten Suchmaschinen.

Für die Zukunft werden sich vielleicht entsprechende Microformats durchsetzen, mit denen man nicht nur für eine komplette Seite das Indizieren verbieten kann, sondern auch gezielt für einzelne Teile, in diesem Falle also für den Namen.

Kommentar von partikelfernsteuerung

Du musst ja echt Angst haben, dass du auf deiner Webseite nicht mal Kontaktdaten hast…

Kommentar von Martin

Oder andersrum: wozu sind denn Kontaktdaten nötig? Du kannst mir gern einen Kommentar zu meinen Beiträgen schreiben. Davon hast du ja gerade Gebrauch gemacht. Dieses Blog steht hier einfach so im Netz. Wer es lesen möchte, ist dazu eingeladen. Wer etwas ergänzen oder berichtigen möchte, darf das gerne tun.

Zur rechtlichen Kennzeichnungspflicht steht hier (PDF) was. Die paar Zeilen hier dürften darunter noch nicht fallen.

Kommentar von partikelfernsteuerung




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