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Alles Wiki.
7. März 2009, 13:29
Filed under: großartige kleinigkeiten, medienzirkus | Schlagwörter: , , ,

drogenwiki-vs-wikipedia-quelle

Der „Wihelm-Skandal“ hat zwei Dinge gezeigt: 1) Journalisten verlassen sich auf die Wikipedia. 2) Wikipedia verlässt sich auf die Journalisten.

Nur Wissenschaftler betrachten die Online-Enzyklopädie bisher kritisch. Wikipedia zitieren? Bitte nicht! Ohne eindeutigen Autoren ist eine Quelle akademisch nicht belastbar. Dass hingegen „Petra’s eigene Literatur Seite“ durchaus zitierfähig ist, erscheint absurd. Dabei lässt sich kaum bestreiten, dass das kollektive Wissen in der Wikipedia einen großen Wert besitzt und ein konstruktiverer wissenschaftlicher Umgang damit wünschenswert wäre.

Wer sich traut, Wikipedia doch mal in die Fußnoten aufzunehmen, sollte aber genauso gut besser arbeiten als Journalisten. Und nicht so:

In ihrem Beitrag über „Das weiße Rauschen“ zitiert Jutta Menschik-Bendele ein paar Fakten über Drogen. Und das mit wissenschaftlichem Anspruch in dem Psychologie-Band „Frankenstein und Belle de Jour – 30 Filmcharaktere und ihre psychischen Störungen“. Als Quelle traut sie sich, die Wikipedia anzugeben.1 So weit, so progressiv.

Wer genau hinsieht, wird entdecken, dass der zweite Eintrag von www.drogenwiki.de stammt. Das ist zwar auch ein Wiki, aber nicht die Wikipedia.

Genauer: Die Plattform, auf der Wikipedia läuft, heißt Mediawiki. Und jeder kann sie zu seinen Zwecken nutzen. Im Netz finden sich unzählige Wikis, lauter kleine Nischenenzyklopädien. Das Prinzip ist immer gleich: Leser dürfen mitschreiben. Nur: Nicht jedes Wiki bringt bringt die klaren Regeln und die vielen Kontrollgremien mit, die man auf wikipedia.org erwarten kann. Denn was zählt sind am Ende irgendwie doch die Menschen und ihre Organisation untereinander. Und Anspruch und Sorgfalt mit der sie vorgehen. Dieses Internet ist leider kompliziert.

Der Text ist übrigens trotzdem spannend.

1 Jutta Menschik-Bendele: Wonach ich suchte, das war ein Leben, S. 62, in: S. Doering, H. Möller (Hrsg.): Frankenstein und Belle de Jour – 30 Filmcharaktere und ihre psychischen Störungen, Springer 2008

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