partikelfernsteuerung


Weltanschauung mit/ohne Gott
19. März 2009, 21:29
Filed under: politik | Schlagwörter: , , , , , , ,

Ich dachte, die Stärke einer atheistischen Weltsicht sei, niemanden von irgendetwas überzeugen zu wollen und gleichzeitig auch die spirituellen Erklärungsversuche der Religionen freundlich zu ignorieren. Atheisten halten sich einfach aus dem ganzen Zirkus raus – denn sie glauben ja nicht daran. So dachte ich.

Nun kommt die Buskampagne, eine „Säkulare Werbekampagne in Deutschland“. Mit Werbetafeln an öffentlichen  Bussen soll eine nicht-religiöse Weltsicht beworben werden.

Nicht-Religiöse, Agnostiker und Atheisten sollen wahrnehmen können, dass sie nicht alleine sind. Sie sollen mutiger werden, sich gegen religiösen Hochmut zur Wehr zu setzen und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen.

Man verhält sich also nicht mehr außerhalb des Systems, sondern bietet sozusagen den Atheismus als eine weitere Weltanschauungsvariante auf dem Religions-PR-Markt an. Wenn Religion eigentlich aber Privatsache sein soll, wirkt so eine öffentliche Kampagne auf mich zunächst unsouverän.

Doch man feiert schon einen kleinen Erfolg. Auf Grund der Anfrage der Kampagne hat der Vorstand der Berliner Verkehrsbetriebe beschlossen, gar keine weltanschauliche Werbung mehr zuzulassen. Auch wenn das die Kampagne bremst, sieht ihr Sprecher die Absage als Erfolg:

Letztlich ist schon die Ablehnung seitens der BVG eine ziemlich interessante Geschichte, zumal die uns jetzt auch sagt, dass man aufgrund unserer Anfrage künftig jegliche religiös konnotierte Werbung sein lassen wird. Wenn das mal nicht schon ein Etappenerfolg ist!

Und sieht man sich das schon fast propagandistische Gezerre um den Pro-Reli-Volksentscheid in Berlin an, wird deutlich, dass eine nicht-religiöse Ethik durchaus offensiv ihren Platz in der Öffentlichkeit behaupten muss.

Hier zeigt sich dann auch, dass Atheismus doch nicht eine Wahl von vielen sein mag: Ein konfessionsloser Ethikunterricht ist bisher gemeinsames Pflichtfach an Berliner Schulen. Religionsunterricht gibt es freiwillig und zusätzlich. Die Pro-Reli-Initiative möchte den Ethikunterricht einreihen, als Wahlmöglichkeit neben christlichem oder muslimischem Religionsunterricht. Und das ist im Streben nach gemeinsamen Werten doch ein Schritt zurück.

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1 Kommentar so far
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wenn nichts nichts ist, dann ist nichts doch was, oder?

Kommentar von mbö




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