partikelfernsteuerung


5 Filme, die heißen wie ihre Protagonisten
18. August 2009, 10:04
Filed under: filme | Schlagwörter: , , , , , , , ,

Filmtitel sind wohl das wichtigste Etikett, mit dessen Hilfe man über Filme kommunizieren kann. Sie bieten einen Begriff, der ohne komplizierte Konstrukte wie Genre, Stars und Autoren auskommt. Ein Vorspann, sei er auch noch so sparsam, kündigt zumindest an, wie wir die kommenden 100 Minuten bezeichnen können, wenn wir sie morgen weiterempfehlen oder aber verreißen wollen. Auf der Kinokarte reicht der Titel als Information, dass wir auf dem Weg in den richtigen Film sind.

Der Titel ist also die zentrale Stelle, um den Film dem potenziellen Zuschauer schmackhaft zu machen, ihn einzuordnen. Wer eine Karte für So viele Jahre liebe ich dich kauft, erwartet etwas anderes, als jemand, der für Tage des Zorns ansteht. Umso spannender ist es, wenn man sich dafür entscheidet, dem Film nicht gleich eine Atmosphäre mitzugeben. Sondern ihn nach jemandem benennt, den der Zuschauer erst kennt, wenn das Licht wieder angeht: der Hauptfigur.

Im Folgenden fünf Filme, bei denen der Titel nichts weiter sagt als: „Hier bin ich, lerne mich kennen!“

Barry Lyndon

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In Kubricks subtil ironischem Kostümfilm dreht sich alles um die Konstruktion von Identität. Wir verfolgen den Aufstieg (und Fall) des Redmond Barry zum Adeligen Barry Lyndon. Duell, Hochstaplerei, Zweckehe – alle Register werden gezogen. Wirklich Charakter zeigt der Protagonist dabei nicht. Die Frage nach dem Konstrukt hinter dem Namen übernimmt der Film direkt in den Titel: Wer ist dieser Barry Lyndon?

Barton Fink

barton-fink

Die Hauptfigur ist Vertreter einer ganz anderen Kategorie, nach der wir Filme einordnen: ein Autor. Aber einer, der sich seinen großen Namen beim Film erst noch verdienen will. Im Grunde führen uns die Coen-Brüder das brutale Produzenten-Hollywood vor, gegen das Truffaut und seine Zeitgenossen die Politique des Auteurs gestellt haben. Alle festen Instanzen zerbröckeln. Der bodenständige Zimmernachbar? Angeblich ein Serienmörder. Das große Vorbild, der Literat W. P. Mayhew? Ein Alkoholiker, der mit seiner Ghostwriterin verheiratet ist. Am Ende bleibt nur der zweifelnde Held. Eben Barton Fink.

Donnie Darko

donnie-darko

GRETCHEN
Donnie Darko is a cool name. Sounds like a superhero.
DONNIE
What makes you think I’m not?

Manch Rezensent liest Donnie als Messias-Figur. Da darf ein prägnanter Name jedenfalls nicht fehlen. Kurz, einmalig – und lautmalerisch düster.

Forrest Gump

forrest-gump

JENNY
Do you ever dream, Forrest, about who you’re gonna be?
FORREST
Who I’m gonna be?
JENNY
Yeah.
FORREST
Aren’t I going to be me?

Jackie Brown

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…diese ungeschnittene, minutenlange Anfangssequenz, in der Quentin Tarantino uns Zuschauern Jackie Brown (Pam Grier), die Heldin seines neuen Films, präsentiert, gibt ausgiebig Gelegenheit, sie uns anzusehen. Leicht spöttisch scheint sie zu lächeln, vielleicht etwas unsicher, denn ganz jung ist sie sichtlich nicht mehr, aber letztlich doch selbstbewußt und in sich ruhend. Sie weiß offenbar, daß sie die ganze Zeit über angesehen wird, und das scheint ihr auch gar nicht unangenehm zu sein, im Gegenteil, fast erwartet man, daß sie der Kamera zuzwinkert. Aber dann blickt sie doch nach vorn und konzentriert sich auf den Weg, der vor ihr liegt. (Rüdiger Suchsland, filmzentrale.com)

Vielleicht sollte die Frage sein: Warum hieß die Romanvorlage nicht nach ihrer Heldin Jackie Brown?

Und jetzt?

Es fällt auf, dass außer Richard Kelly (Donnie Darko) nur bekannte Regisseure dabei sind: Kubrick, die Coens, Zemeckis, Tarantino. Ist das ein Hinweis darauf, dass auf einen assoziativen, PR-tauglichen Titel nur verzichten kann, wer als Autor schon ein Renommée besitzt, das Kinogänger anlockt? Oder ist das nur meiner selektiven Wahrnehmung geschuldet? Und warum ist nur eine Frau dabei?

Hinweise auf weitere Filme bitte in die Kommentare. Die Regeln: Der Titel muss aus fiktivem Vor- und Nachnamen bestehen. Biopics zählen also nicht, eine Berühmtheit als Vorlage bringt zuviel Vorgeschichte mit. Titel mit irgendwelchen Zusätzen („Der seltsame Fall des…“)sind auch raus.

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4 Kommentare so far
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Michael Clayton.

Kommentar von Adrian Lang

Noch gar nix von gehört. Klingt gut, werd ich mir mal ansehen.

Kommentar von partikelfernsteuerung

[…] 5 Filme, die heißen wie ihre Protagonisten « partikelfernsteuerung […]

Pingback von partikelfernsteuerung (pfs) 's status on Thursday, 20-Aug-09 17:14:26 UTC - Identi.ca

Léon (1994)
WALL·E (2008)
Andrey Rublyov (1966)
Annie Hall (1977)
King Kong (1933)
Ed Wood (1994)
Edward Scissorhands (1990)
Dirty Harry (1971)
Billy Elliot (2000)
Donnie Brasco (1997)
Mary Poppins (1964)
Zatôichi (2003)
Paprika (2006)
Rocky Balboa (2006)
Beetle Juice (1988)
Angel Heart (1987)
Erin Brockovich (2000)
Robin Hood (2010)
Napoleon Dynamite (2004)
Brüno (2009)
Vera Drake (2004)

Kommentar von ereshkigal




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