partikelfernsteuerung


Wieder mehr Elite
9. Juli 2010, 15:05
Filed under: politik | Schlagwörter: , , , ,

Nach den üblichen Streitereien zwischen Bund und Ländern hat der Bundesrat heute eine Einigung in der Bildungspolitik erreicht:

Ab Herbst können mehr Studenten in Deutschland von Stipendien profitieren. Um die geplante BAföG-Erhöhung ab dem Wintersemester müssen die Hochschüler dagegen noch bangen. Nach schwierigen Verhandlungen zwischen Bund und Ländern billigte der Bundesrat das umstrittene „Nationale Stipendienprogramm“. Die BAföG-Anhebung stoppte die Länderkammer dagegen vorerst wegen finanzieller Bedenken. (tagesschau.de)

Die Förderung der besten Studierenden wird also ausgebaut, mit dem Ziel, die besten 10% mit monatlich 300€ zu unterstützen. Ein Erhöhung der Mittel für das altbekannte BAFöG bleibt aber zunächst auf der Strecke.

Ein Stipendium soll fördern. In Deutschland sorgen diverse Stiftungen, Firmen und Verbände für Forschungs- und Bildungsförderung in ihrem Interesse. Sie wünschen sich Fortschritte in ihrem Fachgebiet oder wollen die Ausbildung künftiger Mitarbeiter fördern. Das ist legitim. Ein allgemeines nationales Stipendienprogramm sollte aber ein Ziel haben: Möglichst vielen Menschen eine gute Bildung ermöglichen.

Wer aus finanziellen Gründen zögert, sich an einer Hochschule einzuschreiben zu bewerben, kann unmöglich voraussehen, ob er oder sie später zu den geförderten 10% gehört. Und wer aus einem bildungsfernen Umfeld kommt, interessiert sich vielleicht gar nicht dafür, zu einer Elite zu gehören, sondern möchte einfach eine solide Ausbildung und zügig einen Abschluss machen. Die BAFöG-Unterstützung folgt hingegen festen Berechnungsregeln, das Recht (!) auf eine Förderung kann schon während der Studienplanung festgestellt werden.

Für die Hochschulen ist das Stipendienprogramm ein ambivalentes Geschenk: Sie werden dazu verpflichtet, die Hälfte der Fördergelder selbst aufzutreiben, mit Hilfe von Sponsoren. Damit erhält an einer weiteren Stelle die Privatwirtschaft einen direkten Einfluss auf die Schwerpunkte der Ausbildung.

Zu höherer Leistung mag das Stipendienprogramm anspornen. Vielleicht bringt es auch insgesamt bessere Ergebnisse hervor, weil ohnehin gute Studierende sich ohne Nebenjob noch internsiver um Studium und Forschung kümmern können.

Jenen aber, für die eine finanzielle Unterstützung existenziell ist, wird es den Zugang an eine Hochschule nicht erleichtern. Schade.

Foto: 1000points (CC-by-sa)

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1 Kommentar so far
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Eine gute Zusammenfassung! Hinzu kommt, dass der ohnehin schon aufgrund der bisherigen Reformen enorme Konkurrenzdruck dadurch verschärft wird. Jeder gegen Jeden – ganz so wie sich die Elite eine „optimale“ Gesellschaft vorstellt…

Kommentar von halbnachvoll




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