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Kurzfilm: The End
22. April 2010, 09:02
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Filmmaterial rückwärts abzuspielen, gehört zu den ältesten und doch bestechendsten Spezialeffekten. Auf die Logik von Krieg und Zerstörung angewandt, sorgt er in „The End“ für ein surreales Erlebnis.

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Film: Fin
27. Februar 2010, 02:43
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Fin zeigt in sorgfältig komponierten, langsam aneinandergereihten Bildern die Geschichte von drei Jugendlichen. Ana, Ramia und Iker fahren gemeinsam mit unbekanntem Ziel und Plan hinauf in die katalanischen Berge. Die beiden Außenseiterinnen und der Macho am Steuer kannten sich vorher noch nicht, so viel wird klar. Ansonsten wird kaum gesprochen, kleine Spannungen zwischen den Dreien werden nur sparsam angedeutet. Die ruhigen und langen Einstellungen zeigen die Protagonisten in der Natur, zwischen Bergen und Bäumen, mal allein, mal gemeinsam, mit oder ohne Auto.

Es gibt irgendeine abstrakte Mission, auf der sich die Jugendlichen befinden, die sparsame Erzählung gibt sie aber nicht preis, balanciert so gekonnt am Rande der Langeweile, dass wir Zuschauer uns nach Handlung, nach Ereignissen sehnen. Die Art, wie ästhetisierte Naturbilder, Wind und zurückhaltende Musik eine diffuse Erwartungshaltung aufbauen helfen, erinnert an die Einleitung von Tarkowskis Solaris, übertragen auf die unterkühlte Optik der digitalen Redcam.

Erst nach einer Stunde wird der Plan der Jugendlichen enthüllt: gemeinsamer Suizid. Sorgfältig wird nun das „Fin“ abgehandelt: Vorbereitung, Rückblende und Abschiedsvideo, letzter Aufschub, Vollzug, Abspann mit depressivem Emo-Rock.

Mensch in Natur, Fin links, Solaris rechts

Ab diesem Moment des Erkennens, der wohl als dramaturgischer Höhepunkt gemeint ist, bricht leider die Spannung des Films zusammen. Das subtile Spiel der drei Figuren, ihr Verhalten im Raum, das Rätsel um ihr gemeinsames Ziel wird plötzlich einem klaren, tragischen Thema zugeordnet und verliert durch diese Einordnung seinen Reiz.

Beim Lesen des Katalogtextes (PDF) und im Berlinale-Interview nach dem Film wird klar, dass Regisseur Luis Sampieri einen ganzen Katalog von konkreten Themen zu behandeln glaubte. Der komplexe Hintergrund über das Internet, soziale Kompetenz, Einwanderung, Diskriminierung und Identitätskrisen mag bei der Inszenierung wichtig und hilfreich gewesen sein – bei den Zuschauern kommt er nicht an. So gerät die Auflösung zu einer unglaublich plakativen Einordnung des hilflosen Gefühls, das der Film zuvor so gekonnt entwickelt hat.

Dabei erzählt Fin durchaus von unserer Gesellschaft. Ulrich Behrens sieht in Solaris eine Arbeit über „Natur, Zivilisation, Transzendenz“ als „drei Seiten der gesellschaftlichen Entwicklung“. Und Fin arbeitet ebenso an genau diesem Verhältnis von Kultur und Natur. In seinem verwackelten Abschiedsvideo zeigt Iker Bienenstöcke, eine Schafherde – domestizierte Natur. Vor dem Selbstmord reinigt er fetischhaft das Auto mit Quellwasser, bevor es zum mobilen Altar für den Erstickungstod wird. Und Ramia muss ihm trotz nahendem Ende noch Benzingeld bezahlen, schließlich soll in der Kulturtechnik namens Kapitalismus alles seine Ordnung haben.

Als visuelle Studie über Mensch und Natur und soziale Mechanismen ist Fin interessant. An dem Anspruch, vielschichtig und ausführlich über „die heutige Jugend“ und ihre Probleme zu sprechen, ist Sampieri gescheitert. Der bunte aber sensible Film Ben X oder der etwas abgedrehte La journée de la jupe (im Panorama 2009, meine Kritik) erreichen ohne jene bewusste Schwere eine viel größere Tiefe.

Links

Fin im Forum der 60. Berlinale

Der Perlentaucher ist auch enttäuscht:

das alles ist zweifellos gut gemacht. Nur fragt man sich: Wofür?

Unaufgefordert ist anderer Meinung:

Luis Sampieri wollte nicht weniger schaffen als ein Modell und ein Lehrstück ohne Moral, denn das Ende hebt alle Moral auf.



Film: Whatever Works
12. Dezember 2009, 00:01
Filed under: filme | Schlagwörter:

Woody Allen lässt das Stereotypenkarussel noch eine Stufe schneller kreisen. Ein hyperreflektierter, alternder Misanthrop trifft eine junge, naive Schönheit vom Lande, die vor ihren konservativen Eltern nach New York geflüchtet ist. Trotz seiner Neurosen und ihrem eingeschränkten intellektuellen Horizont heiraten Boris und Melody. Natürlich.

Auch ihre Eltern, die – inzwischen geschieden – einzeln in die Stadt kommen, um ihre Tochter zu suchen, erliegen dem Charme New Yorks und finden plötzlich zu völlig neuen Identitäten. Aus den reaktionären Landeiern werden liberale Künstler – es geht von einem Klischee ins nächste.

Diesen Extremen, die Allen gegeneinander anrennen lässt, ist nur eins gemeinsam: der diffuse Wunsch, aus irgendetwas auszubrechen. Flucht aus dem Elternhaus, Trennung und Suizidversuch sind die Versuche, etwas neues zu finden. Und wenn der Protagonist sich schon zu Anfang des Films direkt an die Zuschauer wendet, ist das der Ausbruch aus dem üblichen Stillschweigeabkommen zwischen Publikum und Figuren.

Wenn Allen mit diesem Film einen Ausbruch wagen wollte, ist er aber leider misslungen. Der Protagonist ist auf der Suche nach reiner Willkür, nach etwas, das der Ratio widerspricht. Die Geschichte, in der Figuren abrupt auftreten und ihre Identitäten wechseln, hat diese Willkür gefunden. Sie tut ihm leider nicht gut. Zu überzeichnet sind die Charaktere, dabei aber nicht böse genug, um doch noch etwas neues freizulegen. Als Filmautor hat man die Macht, beliebig mit der Dramaturgie umzugehen. Nur sollte sie am Ende nicht beliebig wirken.

Die guten Dialoge machen die 92 Minuten immerhin noch recht kurzweilig. Nach dem Verlassen des Kinos bleibt aber nicht viel übrig.

Trailer auf Youtube
Details in der imdb



Film: Alptraum Atommüll
18. Oktober 2009, 19:37
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Die aktuellen Koalitionspläne von CDU/CSU und FDP sehen danach aus, dass in Deutschland noch länger an der Nutzung von Atomenergie festgehalten wird. Der 100-minütige Dokumentarfilm „Alptraum Atommüll“ von Eric Guéret konnte diese neuen Entwicklungen noch nicht berücksichtigen. Aber der Blick von Guéret ist ohnehin viel weiter und allgemeiner gefasst. Er beleuchtet auch die Altlasten, die aus der Anfangszeit der militärischen Nutzung von nuklearer Energie geblieben sind, zeigt, wie weit sich die Spuren der Abfälle in der Natur verteilen.

Der reißerische Titel bezieht schon vor Beginn klar Position kontra Atomenergie. Im Zuschauer erzeugt das (jedenfalls bei mir) eine besonders kritische Haltung dem Film gegenüber. Und so ist man auch zunächst skeptisch, wenn Wissenschaftler mit erhöhten Messwerten um sich werfen – während sie barfuß im „verseuchten“ Wasser waten. Umso krasser ist dann der Eindruck, wenn der wahre Alptraum aufblitzt: Archivbilder, auf denen zu sehen ist, wie in der 70er-Jahren in Russland riesige Becken mit verstrahltem Schlamm einfach zugeschüttet werden. Die Fahrer der LKW mussten sich mit zentimeterdicken Bleiplatten schützen und hatten ein Zeitfenster von drei Minuten für ihre Arbeit. Bis heute besteht der Umgang mit diesen Altlasten aus militärischen Sperrgebieten, Evakuierung von Dörfern und dem simplen Verbot, sich in der Nähe der betroffenen Flüsse aufzuhalten.

Diese alten Szenarien aus Zeiten des Eisernen Vorhangs erzählen von einer kontinuierlichen Leichtgläubigkeit und einem unbeschwerten Leichtsinn im Umgang mit nuklearem Müll. Und diese Haltung gibt es noch heute. 1993 hat man sich darauf geeinigt, keine verstrahlten Abfälle mehr von Schiffen aus ins Meer zu werfen. Im französischen La Hague landen solche Abwässer bis heute in der Nordsee – aber per Rohrleitung, das ist erlaubt.

Neben Wissenschaftlern kommen die Filmemacher hauptsächlich mit Pressesprechern in Kontakt. Und auch auf dem Gebiet der PR schaffen sie es, der französischen Atomenergiebranche Lügen nachzuweisen. Anstatt der propagierten Recyclingquote von 95% wird nur ein 10%iger Anteil der Brennelemente wiederverwendet. Der Rest bleibt als Müll zurück, entweder hochverstrahlt in Frankreich oder als Rohstoff deklariert unter russischem Himmel (der Bericht ging durch die Presse)

Gegen Ende des Films geht es dann um die Endlagerproblematik, auf die sich letztendlich die Diskussion zuspitzt. Während sich der Leichtsinn der frühen Jahre heute einfach verteufeln lässt, gibt es hierfür schlicht noch keine Lösung. Dafür aber eine Menge Fragen, die Mitarbeiter eines Forschungsbergwerkes auch mit erstaunlich viel Weitsicht stellen. Die Anforderung, dass der Müll sicher lagert, auch wenn die Menschheit ihn vergisst ist enorm, das wissen sie. Und denken sogar darüber nach, was wohl besser ist: Mit Denkmälern wie Pyramiden daran erinnern, dass hier ein Erbe lagert, auf das folgende Generationen achten müssen? Oder lieber das Vergessen pflegen, damit zukünftige neugierige Archäologen nicht in Gefahr geraten? Diese abstrakten Fragen machen deutlich, um welche Zeiträume es geht, bis der Alptraum ausgeträumt ist.

„Alptraum Atommüll“ ist noch bis zum 22.10.09 bei Arte+7 zu sehen



5 Filme, die heißen wie ihre Protagonisten
18. August 2009, 10:04
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Filmtitel sind wohl das wichtigste Etikett, mit dessen Hilfe man über Filme kommunizieren kann. Sie bieten einen Begriff, der ohne komplizierte Konstrukte wie Genre, Stars und Autoren auskommt. Ein Vorspann, sei er auch noch so sparsam, kündigt zumindest an, wie wir die kommenden 100 Minuten bezeichnen können, wenn wir sie morgen weiterempfehlen oder aber verreißen wollen. Auf der Kinokarte reicht der Titel als Information, dass wir auf dem Weg in den richtigen Film sind.

Der Titel ist also die zentrale Stelle, um den Film dem potenziellen Zuschauer schmackhaft zu machen, ihn einzuordnen. Wer eine Karte für So viele Jahre liebe ich dich kauft, erwartet etwas anderes, als jemand, der für Tage des Zorns ansteht. Umso spannender ist es, wenn man sich dafür entscheidet, dem Film nicht gleich eine Atmosphäre mitzugeben. Sondern ihn nach jemandem benennt, den der Zuschauer erst kennt, wenn das Licht wieder angeht: der Hauptfigur.

Im Folgenden fünf Filme, bei denen der Titel nichts weiter sagt als: „Hier bin ich, lerne mich kennen!“

Barry Lyndon

barry-lyndon

In Kubricks subtil ironischem Kostümfilm dreht sich alles um die Konstruktion von Identität. Wir verfolgen den Aufstieg (und Fall) des Redmond Barry zum Adeligen Barry Lyndon. Duell, Hochstaplerei, Zweckehe – alle Register werden gezogen. Wirklich Charakter zeigt der Protagonist dabei nicht. Die Frage nach dem Konstrukt hinter dem Namen übernimmt der Film direkt in den Titel: Wer ist dieser Barry Lyndon?

Barton Fink

barton-fink

Die Hauptfigur ist Vertreter einer ganz anderen Kategorie, nach der wir Filme einordnen: ein Autor. Aber einer, der sich seinen großen Namen beim Film erst noch verdienen will. Im Grunde führen uns die Coen-Brüder das brutale Produzenten-Hollywood vor, gegen das Truffaut und seine Zeitgenossen die Politique des Auteurs gestellt haben. Alle festen Instanzen zerbröckeln. Der bodenständige Zimmernachbar? Angeblich ein Serienmörder. Das große Vorbild, der Literat W. P. Mayhew? Ein Alkoholiker, der mit seiner Ghostwriterin verheiratet ist. Am Ende bleibt nur der zweifelnde Held. Eben Barton Fink.

Donnie Darko

donnie-darko

GRETCHEN
Donnie Darko is a cool name. Sounds like a superhero.
DONNIE
What makes you think I’m not?

Manch Rezensent liest Donnie als Messias-Figur. Da darf ein prägnanter Name jedenfalls nicht fehlen. Kurz, einmalig – und lautmalerisch düster.

Forrest Gump

forrest-gump

JENNY
Do you ever dream, Forrest, about who you’re gonna be?
FORREST
Who I’m gonna be?
JENNY
Yeah.
FORREST
Aren’t I going to be me?

Jackie Brown

jackie-brown

…diese ungeschnittene, minutenlange Anfangssequenz, in der Quentin Tarantino uns Zuschauern Jackie Brown (Pam Grier), die Heldin seines neuen Films, präsentiert, gibt ausgiebig Gelegenheit, sie uns anzusehen. Leicht spöttisch scheint sie zu lächeln, vielleicht etwas unsicher, denn ganz jung ist sie sichtlich nicht mehr, aber letztlich doch selbstbewußt und in sich ruhend. Sie weiß offenbar, daß sie die ganze Zeit über angesehen wird, und das scheint ihr auch gar nicht unangenehm zu sein, im Gegenteil, fast erwartet man, daß sie der Kamera zuzwinkert. Aber dann blickt sie doch nach vorn und konzentriert sich auf den Weg, der vor ihr liegt. (Rüdiger Suchsland, filmzentrale.com)

Vielleicht sollte die Frage sein: Warum hieß die Romanvorlage nicht nach ihrer Heldin Jackie Brown?

Und jetzt?

Es fällt auf, dass außer Richard Kelly (Donnie Darko) nur bekannte Regisseure dabei sind: Kubrick, die Coens, Zemeckis, Tarantino. Ist das ein Hinweis darauf, dass auf einen assoziativen, PR-tauglichen Titel nur verzichten kann, wer als Autor schon ein Renommée besitzt, das Kinogänger anlockt? Oder ist das nur meiner selektiven Wahrnehmung geschuldet? Und warum ist nur eine Frau dabei?

Hinweise auf weitere Filme bitte in die Kommentare. Die Regeln: Der Titel muss aus fiktivem Vor- und Nachnamen bestehen. Biopics zählen also nicht, eine Berühmtheit als Vorlage bringt zuviel Vorgeschichte mit. Titel mit irgendwelchen Zusätzen („Der seltsame Fall des…“)sind auch raus.



Film: Zerrissene Umarmungen
4. August 2009, 13:37
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Zerrissene Umarmungen ist ein Film über Medien. Schon die erste Einstellung zeigt das Filmbild nicht direkt, sondern durch den Sucher einer Kamera. Wir sehen Schauspieler, die auf ihre Positionen dirigiert werden – die Aufnahme wird vorbereitet. Zentraler Bestandteil der Handlung ist dann auch ein Film-im-Film. Dessen Dreharbeiten werden vom spionierenden Sohn des eifersüchtigen Produzenten auf Video festgehalten, allerdings mit so schlechtem Ton, dass dieser eine Lippenleserin bemühen muss, um sich den Inhalt der Bänder zu erschließen. Der Regisseur wiederum fotografiert permanent, hauptsächlich seine Hauptdarstellerin. Auf den Bildern findet er später unentdeckte Personen (Antonionis Blow Up lässt grüßen).

Die Handlung bedient sich dabei kräftig aus der Werkzeugkiste der Filmdramaturgie. In gewaltigen Zeitsprüngen wird erzählt, wie Lena (Penélope Cruz) von der Sekretärin zur Schauspielerin wird und schließlich mit Regisseur Mateo (Lluís Homar) den Film Frauen und Koffer dreht – finanziert von ihrem reichen, alten und eifersüchtigen Geliebten Ernesto (José Luis Gómez).

Natürlich bleibt eine Liebschaft zwischen Lena und Mateo nicht aus und auch nicht geheim, so dass sie gemeinsam verschwinden, sobald der Film abgedreht ist. Die Rache des geprellten Mäzen Ernesto lässt nicht auf sich warten, er bringt den Film in einer grottenschlechten Version in die Kinos. Hier erzählt Almodóvar von der Kraft und dem Risiko des Filmemachens. Die schlechte Fassung entsteht dadurch, dass Ernesto statt des besten Takes jeder Einstellung einfach die schlechteste gedrehte Variante auswählt. Das gleiche Drehbuch, vom gleichen Regisseur mit den gleichen Schauspielern inszeniert, kann allein durch die Auswahl der Bilder zerstört werden.

Erst am Ende von Zerrissene Umarmungen darf Mateo, inzwischen durch einen Unfall erblindet, den Film neu schneiden, mit Hilfe seiner Agentin und ihres Sohnes, von dem er nicht weiß, dass er auch sein Sohn ist. Und auch hier wird Mediengeschichte sichtbar: Geschnitten wird mit Avid im Büro, nicht mehr im wuchtigen 35mm-Schnittraum, wie noch in der Rückblende zu sehen war.

Unterwegs präsentiert Almodóvar eine Menge kultureller Bezüge, mal darf Cruz sich als verblüffend ähnliche Audrey Hepburn zeigen, mal steht nur ganz dezent die berühmte rot-weiße Mondrakete aus Tim und Struppi im Regal. Oder es wird schonungslos die ultra-keusche Vampir-Reihe Twilight zerlegt, indem Mateo und sein Sohn ein Drehbuch für eine neue Mensch-Vampir-Romanze entwerfen, in der zur Abwechslung die Frau Macht und Gefahr darstellt („Beim Sex trägt sie einen Maulkorb, sie können sich also nicht küssen. Und Blasen geht gar nicht.“)

Volver, wenngleich ähnlich skurril, handelte noch von echten Menschen und ihren Schwierigkeiten. In Zerrissene Umarmungen sind die Protagonisten verändert, ihre Wirkung ist manipuliert. Mal durch Perücken, mal durch Drogen, oder eben durch die Wahl des guten oder schlechten Takes. Die Abhandlung über die medialen Interpretationsmöglichkeiten ist wertvoll, auch wenn man sie nicht auf eine „Hommage ans Kino“ (kino-zeit.de) reduzieren möchte. Doch der Verlust an Direktheit nimmt dem Zuschauer auch etwas von dem, das Spannung erzeugt: Identifikation mit den Figuren. Insofern kann man Michael Kienzl (critic.de) zustimmen, wenn er sagt Almodóvar habe sich „etwas mit seiner komplexen Erzählweise verhoben.“

Dennoch ist der Film dank witziger und vielschichtiger Szenen über weite Strecken empfehlenswert. Und ab Donnerstag im Kino.

Website zum Film
Trailer auf Youtube
Trailer in Quicktime HD



Film: Effie Briest
5. März 2009, 19:30
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Eine junge Frau zerbricht zwischen strengen Regeln und ihren eigenen Wünschen und Begierden.

Eigentlich ist die Geschichte zeitlos. Moralische Standards, familiäre und soziale Erwartungen, Freiheit und alle damit einhergehenden emotionalen Tücken sind und bleiben aktuell.

Auch in einer filmischen Umsetzung des Fontane-Stoffs funktionieren zwei Ebenen der Motivation: Die soziale, in der die Figuren nicht anders können, als eine gesellschaftliche Funktion erfüllen. Der disziplinierte Karrierist verliert seine orientierungslose Frau an den fatalen Verführer. Und die persönliche Ebene, auf der die junge  Effi nach Beachtung und Zuneigung sucht und sich dabei von allen Seiten zweifelhafte Ideale aufdrängen lässt.

Auf beiden Ebenen bleibt Hermine Huntgeburths Verfilmung etwas schuldig.

Die gesellschaftliche Enge vermag man in den luftigen Ostseebildern nicht so recht wiederzufinden, zu denen die Kamera sich verführen lässt. Und eine persönliche Identifikation mit Effi und der Beziehung zu Eltern, Ehemann und Liebhaber bleibt auch auf der Strecke, denn die liebevolle und aufwändige Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts bringt leider eine gewisse Distanz mit sich. Irgendwie geht uns dieser Kostümball nichts an. Da können auch viel Klavier und Streicher keine Nähe erzwingen. Und ein paar verwackelte Bilder von offenen Fenstern machen noch lange keinen Albtraum.

Nebensache: Der Abspann war irgendwie überraschend hässlich.

Trailer (YouToube)
Regisseurin (Wikipedia)
Literaturvorlage (Project Gutenberg)