partikelfernsteuerung


„Vermummungsverbot im Internet“, ja klar
14. November 2010, 18:16
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Die kontrollwütige Idee, den Internetzugang nur noch mit Personalausweis zu erlauben, musste vor einer Weile noch von der Jugendorganisation in die Welt gesetzt werden.  Heute, pünktlich zwei Wochen nach der Einführung des elektronischen Personalausweises, kommt die CDU höchstselbst mit dem Sonntagsvorschlag:

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Axel E. Fischer kritisiert die gängige Praxis, sich in Internet-Diskussionsforen mit einem Fantasienamen zu Wort zu melden. Ein „Vermummungsverbot im Internet“ müsse her (heise.de)

Zum wohl tausendsten Mal:

Die Analogie zur Vermummung ist falsch. Am „echten Leben“ kann ich ohne weiteres völlig anonym teilnehmen. Ich kann auf einer Demonstration meine Meinung kundtun, ohne dass meine Personalien aufgenommen werden.  Ich kann anonyme Briefe schreiben. Ich kann anonym mit einer Zeitung zusammenarbeiten und genieße sogar per Gesetz Quellenschutz. Und auch die zentrale Operation unserer Gesellschaft – das Bezahlen – kann ich völlig anonym vornehmen: Bargeld hin, Ware her.

Und jeder, der das ändern wollte, müsste sich zurecht totalitär schimpfen lassen.

Werte CDU-Mitglieder und -Sympathisanten: Ich höre euch gerne in einem netzpolitischen Diskurs zu. Und ihr könnt auch gerne konservative Positionen vertreten. Aber diese falschen, verlogenen Analogien höre ich mir nicht mehr an. Wer übertriebenen und populistischen Mist in die Welt setzt, ist kein Diskussionspartner.

Ganz wie im richtigen Leben.

Update: Viele Leute mögen dazu nur noch Witze machen. Manch sind sogar gut und treffen. Netzpolitik.org hat eine Auswahl.

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Junge (?) Union: Gewaltvideos nur noch mit Personalausweis..
20. April 2009, 12:40
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Die Junge Union in Nordrhein-Westfalen wünscht sich für Youtube eine Zwangsregistrierung mit Realname, Anschrift und Personalausweisnummer.

Rivalisierende Jugendbanden putschen sich mit Hassbotschaften und Gewaltposen im Internet auf, um sich anschließend zu Straftaten zu verabreden

Diese Videos ließen sich dann einfacher verfolgen und „abschalten“.
Es war klar, dass aus der konservativen Ecke der Versuch kommt, das Internet so übersichtlich zu machen wie den Dorfplatz von Holzwickede. Die Idee ist ja ganz einfach: Wenn jeder unter seiner realen Identität greifbar ist, wird er schon keinen Unsinn anstellen. Das gleiche Versprechen, wie es uns die Videoüberwachung macht. Und immer wieder ist die Botschaft, die dabei mitschwingt: Privatsphäre und Anonymität schützen nur die Täter.
Dabei müsste die Botschaft genau andersherum sein: Das Netz ist ein schwer greifbares, chaotisches System. Wer sich dort bewegt, sollte lernen, Inhalte und Kommunikationsangebote einordnen und ggf. ablehnen zu können. Und sich durch Anonymität selbst zu schützen.



Blinkender Personalausweis ab 2012?
11. Dezember 2008, 23:48
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personalausweis-3d

Ein Foto und ein echtes Gesicht zu vergleichen, ist gar nicht so einfach. Nachdem verlässliche Biometriesysteme immer noch auf sich warten lassen, müssen wohl oder über weiterhin Grenzbeamte die Echtheit von Pässen prüfen. Denen will die Bundesdruckerei in Kooperation mit Samsung aber bald besseres Bildmaterial bieten:

Ziel der Kooperation ist die Entwicklung von fälschungssicheren Ausweispapieren, in denen ein Video des drehenden Kopfes das zweidimensionale Foto des Ausweisinhabers ersetzt. (heise.de)

Mit Hilfe von superdünnen OLED-Displays soll dieses Video das Passfoto ersetzen. Wieso die Bundesdruckerei von Dreidimensionalität spricht, bloß weil sich ein Kopf dreht, ist leider nicht so ganz klar. Ein Pass bleibt schließlich platt. Vielleicht sind ja Hologramme oder Stereoskopie geplant…

Bilder: Wikimedia Commons, KayVee.Inc