partikelfernsteuerung


Raubkopierer sind Steuerzahler

Auf der Medienwoche Berlin-Brandenburg haben gestern Vertreter der deutschen Filmindustrie, namentlich Martin Moszkowicz, Vorstand von Constantin Film, eine härtere Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen gefordert. Dazu sei eine längere Speicherung der Abrechnungsdaten nötig, um Internetnutzer ausfindig machen zu können. Auch Internetsperren wurden auf der Veranstaltung gefordert. Rechtsmittel, die vom Staat zur Verfolgung von Kapitalverbrechen eingerichtet wurden, sollen auch gegen Filesharer zur Verfügung stehen, die untereinander Musik und Filme austauschen – wohlgemerkt ohne Profit. weiterlesen…

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5 Filme, die heißen wie ihre Protagonisten
18. August 2009, 10:04
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Filmtitel sind wohl das wichtigste Etikett, mit dessen Hilfe man über Filme kommunizieren kann. Sie bieten einen Begriff, der ohne komplizierte Konstrukte wie Genre, Stars und Autoren auskommt. Ein Vorspann, sei er auch noch so sparsam, kündigt zumindest an, wie wir die kommenden 100 Minuten bezeichnen können, wenn wir sie morgen weiterempfehlen oder aber verreißen wollen. Auf der Kinokarte reicht der Titel als Information, dass wir auf dem Weg in den richtigen Film sind.

Der Titel ist also die zentrale Stelle, um den Film dem potenziellen Zuschauer schmackhaft zu machen, ihn einzuordnen. Wer eine Karte für So viele Jahre liebe ich dich kauft, erwartet etwas anderes, als jemand, der für Tage des Zorns ansteht. Umso spannender ist es, wenn man sich dafür entscheidet, dem Film nicht gleich eine Atmosphäre mitzugeben. Sondern ihn nach jemandem benennt, den der Zuschauer erst kennt, wenn das Licht wieder angeht: der Hauptfigur.

Im Folgenden fünf Filme, bei denen der Titel nichts weiter sagt als: „Hier bin ich, lerne mich kennen!“

Barry Lyndon

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In Kubricks subtil ironischem Kostümfilm dreht sich alles um die Konstruktion von Identität. Wir verfolgen den Aufstieg (und Fall) des Redmond Barry zum Adeligen Barry Lyndon. Duell, Hochstaplerei, Zweckehe – alle Register werden gezogen. Wirklich Charakter zeigt der Protagonist dabei nicht. Die Frage nach dem Konstrukt hinter dem Namen übernimmt der Film direkt in den Titel: Wer ist dieser Barry Lyndon?

Barton Fink

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Die Hauptfigur ist Vertreter einer ganz anderen Kategorie, nach der wir Filme einordnen: ein Autor. Aber einer, der sich seinen großen Namen beim Film erst noch verdienen will. Im Grunde führen uns die Coen-Brüder das brutale Produzenten-Hollywood vor, gegen das Truffaut und seine Zeitgenossen die Politique des Auteurs gestellt haben. Alle festen Instanzen zerbröckeln. Der bodenständige Zimmernachbar? Angeblich ein Serienmörder. Das große Vorbild, der Literat W. P. Mayhew? Ein Alkoholiker, der mit seiner Ghostwriterin verheiratet ist. Am Ende bleibt nur der zweifelnde Held. Eben Barton Fink.

Donnie Darko

donnie-darko

GRETCHEN
Donnie Darko is a cool name. Sounds like a superhero.
DONNIE
What makes you think I’m not?

Manch Rezensent liest Donnie als Messias-Figur. Da darf ein prägnanter Name jedenfalls nicht fehlen. Kurz, einmalig – und lautmalerisch düster.

Forrest Gump

forrest-gump

JENNY
Do you ever dream, Forrest, about who you’re gonna be?
FORREST
Who I’m gonna be?
JENNY
Yeah.
FORREST
Aren’t I going to be me?

Jackie Brown

jackie-brown

…diese ungeschnittene, minutenlange Anfangssequenz, in der Quentin Tarantino uns Zuschauern Jackie Brown (Pam Grier), die Heldin seines neuen Films, präsentiert, gibt ausgiebig Gelegenheit, sie uns anzusehen. Leicht spöttisch scheint sie zu lächeln, vielleicht etwas unsicher, denn ganz jung ist sie sichtlich nicht mehr, aber letztlich doch selbstbewußt und in sich ruhend. Sie weiß offenbar, daß sie die ganze Zeit über angesehen wird, und das scheint ihr auch gar nicht unangenehm zu sein, im Gegenteil, fast erwartet man, daß sie der Kamera zuzwinkert. Aber dann blickt sie doch nach vorn und konzentriert sich auf den Weg, der vor ihr liegt. (Rüdiger Suchsland, filmzentrale.com)

Vielleicht sollte die Frage sein: Warum hieß die Romanvorlage nicht nach ihrer Heldin Jackie Brown?

Und jetzt?

Es fällt auf, dass außer Richard Kelly (Donnie Darko) nur bekannte Regisseure dabei sind: Kubrick, die Coens, Zemeckis, Tarantino. Ist das ein Hinweis darauf, dass auf einen assoziativen, PR-tauglichen Titel nur verzichten kann, wer als Autor schon ein Renommée besitzt, das Kinogänger anlockt? Oder ist das nur meiner selektiven Wahrnehmung geschuldet? Und warum ist nur eine Frau dabei?

Hinweise auf weitere Filme bitte in die Kommentare. Die Regeln: Der Titel muss aus fiktivem Vor- und Nachnamen bestehen. Biopics zählen also nicht, eine Berühmtheit als Vorlage bringt zuviel Vorgeschichte mit. Titel mit irgendwelchen Zusätzen („Der seltsame Fall des…“)sind auch raus.



Film: Zerrissene Umarmungen
4. August 2009, 13:37
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Zerrissene Umarmungen ist ein Film über Medien. Schon die erste Einstellung zeigt das Filmbild nicht direkt, sondern durch den Sucher einer Kamera. Wir sehen Schauspieler, die auf ihre Positionen dirigiert werden – die Aufnahme wird vorbereitet. Zentraler Bestandteil der Handlung ist dann auch ein Film-im-Film. Dessen Dreharbeiten werden vom spionierenden Sohn des eifersüchtigen Produzenten auf Video festgehalten, allerdings mit so schlechtem Ton, dass dieser eine Lippenleserin bemühen muss, um sich den Inhalt der Bänder zu erschließen. Der Regisseur wiederum fotografiert permanent, hauptsächlich seine Hauptdarstellerin. Auf den Bildern findet er später unentdeckte Personen (Antonionis Blow Up lässt grüßen).

Die Handlung bedient sich dabei kräftig aus der Werkzeugkiste der Filmdramaturgie. In gewaltigen Zeitsprüngen wird erzählt, wie Lena (Penélope Cruz) von der Sekretärin zur Schauspielerin wird und schließlich mit Regisseur Mateo (Lluís Homar) den Film Frauen und Koffer dreht – finanziert von ihrem reichen, alten und eifersüchtigen Geliebten Ernesto (José Luis Gómez).

Natürlich bleibt eine Liebschaft zwischen Lena und Mateo nicht aus und auch nicht geheim, so dass sie gemeinsam verschwinden, sobald der Film abgedreht ist. Die Rache des geprellten Mäzen Ernesto lässt nicht auf sich warten, er bringt den Film in einer grottenschlechten Version in die Kinos. Hier erzählt Almodóvar von der Kraft und dem Risiko des Filmemachens. Die schlechte Fassung entsteht dadurch, dass Ernesto statt des besten Takes jeder Einstellung einfach die schlechteste gedrehte Variante auswählt. Das gleiche Drehbuch, vom gleichen Regisseur mit den gleichen Schauspielern inszeniert, kann allein durch die Auswahl der Bilder zerstört werden.

Erst am Ende von Zerrissene Umarmungen darf Mateo, inzwischen durch einen Unfall erblindet, den Film neu schneiden, mit Hilfe seiner Agentin und ihres Sohnes, von dem er nicht weiß, dass er auch sein Sohn ist. Und auch hier wird Mediengeschichte sichtbar: Geschnitten wird mit Avid im Büro, nicht mehr im wuchtigen 35mm-Schnittraum, wie noch in der Rückblende zu sehen war.

Unterwegs präsentiert Almodóvar eine Menge kultureller Bezüge, mal darf Cruz sich als verblüffend ähnliche Audrey Hepburn zeigen, mal steht nur ganz dezent die berühmte rot-weiße Mondrakete aus Tim und Struppi im Regal. Oder es wird schonungslos die ultra-keusche Vampir-Reihe Twilight zerlegt, indem Mateo und sein Sohn ein Drehbuch für eine neue Mensch-Vampir-Romanze entwerfen, in der zur Abwechslung die Frau Macht und Gefahr darstellt („Beim Sex trägt sie einen Maulkorb, sie können sich also nicht küssen. Und Blasen geht gar nicht.“)

Volver, wenngleich ähnlich skurril, handelte noch von echten Menschen und ihren Schwierigkeiten. In Zerrissene Umarmungen sind die Protagonisten verändert, ihre Wirkung ist manipuliert. Mal durch Perücken, mal durch Drogen, oder eben durch die Wahl des guten oder schlechten Takes. Die Abhandlung über die medialen Interpretationsmöglichkeiten ist wertvoll, auch wenn man sie nicht auf eine „Hommage ans Kino“ (kino-zeit.de) reduzieren möchte. Doch der Verlust an Direktheit nimmt dem Zuschauer auch etwas von dem, das Spannung erzeugt: Identifikation mit den Figuren. Insofern kann man Michael Kienzl (critic.de) zustimmen, wenn er sagt Almodóvar habe sich „etwas mit seiner komplexen Erzählweise verhoben.“

Dennoch ist der Film dank witziger und vielschichtiger Szenen über weite Strecken empfehlenswert. Und ab Donnerstag im Kino.

Website zum Film
Trailer auf Youtube
Trailer in Quicktime HD



Film: Effie Briest
5. März 2009, 19:30
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Eine junge Frau zerbricht zwischen strengen Regeln und ihren eigenen Wünschen und Begierden.

Eigentlich ist die Geschichte zeitlos. Moralische Standards, familiäre und soziale Erwartungen, Freiheit und alle damit einhergehenden emotionalen Tücken sind und bleiben aktuell.

Auch in einer filmischen Umsetzung des Fontane-Stoffs funktionieren zwei Ebenen der Motivation: Die soziale, in der die Figuren nicht anders können, als eine gesellschaftliche Funktion erfüllen. Der disziplinierte Karrierist verliert seine orientierungslose Frau an den fatalen Verführer. Und die persönliche Ebene, auf der die junge  Effi nach Beachtung und Zuneigung sucht und sich dabei von allen Seiten zweifelhafte Ideale aufdrängen lässt.

Auf beiden Ebenen bleibt Hermine Huntgeburths Verfilmung etwas schuldig.

Die gesellschaftliche Enge vermag man in den luftigen Ostseebildern nicht so recht wiederzufinden, zu denen die Kamera sich verführen lässt. Und eine persönliche Identifikation mit Effi und der Beziehung zu Eltern, Ehemann und Liebhaber bleibt auch auf der Strecke, denn die liebevolle und aufwändige Rekonstruktion des 19. Jahrhunderts bringt leider eine gewisse Distanz mit sich. Irgendwie geht uns dieser Kostümball nichts an. Da können auch viel Klavier und Streicher keine Nähe erzwingen. Und ein paar verwackelte Bilder von offenen Fenstern machen noch lange keinen Albtraum.

Nebensache: Der Abspann war irgendwie überraschend hässlich.

Trailer (YouToube)
Regisseurin (Wikipedia)
Literaturvorlage (Project Gutenberg)



Ein Schauspiel
16. Februar 2009, 11:19
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Ein anderer zu werden passiert ohne jede intellektuelle Anstrengung. Ich denke, je weniger du deine Rolle analysierst, umso besser. Es ist etwas Geheimnisvolles. Die Person, die du spielst, ist wie ein Mieter, der in deinem Inneren wohnt. Der Charakter dringt durch die Poren ein, richtet sich bei dir ein, lebt in dir. Und solange das dauert, kannst du nicht über ihn sprechen, denn du weißt ja nicht, ob er es wäre, der da spricht, oder du.

Simone Signoret

(aus Volker Schlöndorffs Autobiographie „Licht, Schatten, Bewegung“, München 2008 – die noch mehr Weisheiten und auch Kuriositäten bietet)



Metropolis komplett
4. Juli 2008, 01:26
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In Buenos Aires hat offenbar eine vollständige Kopie von Fritz Langs Stummfilm-Knaller „Metropolis“ überlebt. Beim ZEITmagazin fanden sich vor kurzem eine argentinische Museumsleiterin und deutsche Filmhistoriker zusammen und vergewisserten sich des Fundes. Der bisher vollständigsten bekannten Fassung fehlte über ein Viertel des ursprünglichen Filmes. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen gab es bereits in den 1920ern diverse gekürzte Versionen, wie Enno Patalas in seinem Buch „Metropolis in/aus Trümmern“ auflistet:

  • Premierenfassung: 4189m (=100%)
  • Amerikanische Fassung: 3170m (=76%)
  • Zweite amerikanische Fassung: 2300m (=55%)
  • Britische Fassung: 3050m (=73%)
  • Zweite deutsche Fassung: 3241m (=77%)

Aus diesen Versionen wurde die heutige restaurierte Fassung zusammengetragen – die nun hoffentlich bald um die fehlenden Szenen ergänzt werden kann, wie die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hofft. So können in einigen Jahren wohl endlich ein paar mehr Zuschauer das komplette Werk von Fritz Lang sehen. Bisher kamen nur etwa 15.000 Zuschauer im Frühjahr 1927 zu dieser Ehre.

Wir warten.