partikelfernsteuerung


Milch
19. Oktober 2009, 13:49
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Die EU-Argrarminister beraten heute erneut über finanzielle Hilfen für Europas Milchbauern. Die Leidtragenden der europäischen Subventionspolitik werden in Luxemburg nicht protestieren, denn sie leben in Afrika. Dort wird überschüssige EU-Milch als Milchpulver zu Dumpingpreisen verscherbelt.
Wie Europas Billigmilch Afrikas Märkte zerstört (tagesschau.de)

Der Artikel nennt eine Zahl: Allein der Senegal importiert jährlich 40.000 Tonnen Milchpulver. Ist das viel? Man weiß es nicht wirklich.

Zur Herstellung von einem Kilo Milchpulver braucht man 6 bis 7 Liter Milch. Die 40.000 Tonnen entsprechen also rund 233 Mio. Liter. Ist das viel? In Deutschland werden jährlich 26 Mrd. Liter produziert. Der Senegal importiert also rund 0,9% der Menge Milch, die Deutschland jährlich produziert. Das ist nicht viel, aber das ist auch nicht nichts.

Um die wirtschaftliche Bedeutung bemessen zu können, scheint es sinnvoll, die Zahlen in einen Bezug auf die Größe der Länder zu bringen: Deutschland produziert jährlich 323 Liter Milch pro Einwohner. Der Senegal importiert jährlich 20 Liter Milch pro Einwohner.

Damit wird deutlich: Der subventionierte Transfer dieses eigentlich leicht verderblichen und regionalen Produktes ist nicht unerheblich. Und die Subventionen werden eher erhöht als gestrichen.

Am Senegal müssen übrigens jene Schiffe vorbei, die sich wegen der somalischen Piraten nicht mehr durch das Rote Meer trauen.

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Dem Milchaufstand helfen?
4. Juni 2008, 00:16
Filed under: politik | Schlagwörter: ,

Die deutschen Bauern kämpfen zur Zeit mit einem Milchlieferboykott für bessere Preise. Der teilregularisierte Milchmarkt ist so eine Sache für sich, dennoch, die Argumente der Bauern scheinen stimmig. Unter den Produktionskosten sollte die Vergütung einer Ware niemals liegen. Nun denn, die Bauern kämpfen, auch gegen meinen Supermarkt um die Ecke. Und ich als Verbraucher frage mich: Wie kann ich mich verhalten, um die Landwirte zu unterstützen?

Soll ich aufhören, Milch zu kaufen, damit die Umsätze sinken? Damit verzögere ich aber den Ausverkauf der Milch. Und leere Regale dürften das medienwirksame Ziel des Protestes sein. Teilweise kaufen die Aktivisten ja selbst die Läden leer. Also mitmachen und Milchprodukte hamstern? Aber unterstütze ich nicht damit das unfaire Preiskonstrukt? Mein Protestkauf steht ja wahrscheinlich nicht in der Zeitung.

Dann weiter nach Bedarf einkaufen, aber vielleicht nicht mehr zum billigsten Tetra-Pak greifen? Das wäre dann wohl die teure „Markenmilch“, bei der man für die bunte Verpackung mehr zahlt als für den Inhalt – und beim Bauern kommt wieder zu wenig an.

Ich warte erstmal ab und versuche wenigstens, Milchprodukte aus der Region zu kaufen. Im Berliner Rewe-Markt bietet sich da die freundlich-blaue „Mark Brandenburg“-Milch an. Selbige entpuppte sich leider soeben unter einem prüfenden Blick als Farce: Laut Kontrollnummer stammt die Milch aus Nordrhein-Westfalen, vermarktet wird das Produkt vom Baden-Württembergischen Konzern Campina. Nix Brandenburg. Toll. (Geographie-Versager klicken hier)

Da hat der kurze Gedanke über Milch ja schon zum Erkenntnisgewinn geführt. Morgen doch mal wieder im Bioladen reinschauen.