partikelfernsteuerung


Ist „RT @Amalari: RT @beezan: RT @Dogwallah: RT @abzole: The rally is on, Pray for us #IranElection“ Journalismus?
15. Juni 2009, 13:39
Filed under: medienzirkus, politik | Schlagwörter: , , , ,

Die Wahl im Iran bewegt zur Zeit weltweit die Menschen und Medien. Und während man als Außenstehender noch rätselt, ob die Iraner wirklich ihren Hardliner wiedergewählt haben (irrationale Dinge passieren ja manchmal, auch in Europa), oder ob die Wahl gefälscht war, lässt die iranische Regierung nichts anbrennen und versucht die öffentliche Diskussion zu unterdrücken. BBC-Reporter wurden festgenommen, auch ARD- und ZDF-Korrespondenten haben Hausarrest oder Berichtsverbot. In umgekehrter Richtung wird der Satellitenempfang des Nahostprogramms der BBC gestört (Spiegel, NZZ).

Das Internet beweist wieder einmal, warum Machthaber es fürchten. Obwohl Twitter, Facebook und YouTube gesperrt sind, werden Bilder und Informationen wetlweit verbreitet. Die Berichte auf Revolutionary Road und von @persiankiwi und @Change_for_Iran sind weder zuverlässig noch neutral, dennoch bieten sie ein gutes Bild von Chaos, Gewalt und Unsicherheit vor Ort. Drumherum entsteht weltweit eine Menge Bewegung:

Es werden Listen von Proxyservern verbreitet, damit Iraner die Sperrung der Social Media-Dienste umgehen können. Anleitungen für Beobachter, wie man die Informationsflut auf Twitter und in Blogs filtert und versteht, werden veröffentlicht. Aufrufe kursieren, seine Solidarität auszudrücken, grüne Kleidung oder grüne Avatarbilder sind angesagt (#weargreen). Anderswo wird zur DDoS-Attacke auf die Webseiten der iranischen Regierung aufgerufen, um Propaganda und Verwirrung zu verhindern. Wer technisch Bescheid weiß, warnt wiederum davor, denn wenn das gesamte iranische Netz überlastet ist, dringen auch keine Nachrichten mehr über die Proteste nach außen. Protest vor (oder am besten in) iranischen Botschaften wird ebenso gefordert.

Die dezentrale Berichterstattung aus dem Netz ist also hochspannend. Und sie funktioniert, wenn man ein bisschen vielbeschworene Medienkompetenz und Abstand mitbringt.

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#versachlichung
28. Mai 2009, 11:13
Filed under: politik | Schlagwörter: , , , , , , , ,

Meine Güte, in Sachen Internet e.V. vs. Deutschland AG war ja gestern ordentlich was los.

Pünktlich vor der öffentlichen Anhörung zum Gesetzentwurf für Internetsperren zeigt der AK Zensur, dass „Löschen statt verstecken“ nicht nur ein knackiger Spruch ist. Er schrieb einfach Mails an jene Provider, auf deren Servern laut diverser Sperrlisten kinderpornographisches Material untergebracht war.

Mit beeindruckender Resonanz: Innerhalb der ersten 12 Stunden nach Aussenden der Mails wurden bereits 60 Webauftritte gelöscht. (Pressemitteilung)

Die Anhörung im Bundestag wird von Parlamentsfernsehen live ins Netz übertragen (MP3-Mitschnitt), allerdings sind die Videostreams hoffnungslos überlastet. Auf Twitter laufen Kommentare von Zuschauern vor Ort und zu Hause zusammen. In der Anhörung wird die Petition gegen Netzsperren respektvoll erwähnt, sowie die Bedenken der „Internetcommunity“ angesprochen. Der Vertreter von Die Linke zitiert sogar namentlich netzpolitik.org.

Klar ist nach der Anhörung im Bundestag am Mittwoch vor allem eines: das Thema ist kompliziert. Wesentlich komplizierter jedenfalls, als Familienministerin Ursula von der Leyen es darstellt. (zeit.de)

Als Frau von der Leyen wegen eines ganz anderen Gesetzesvorhabens in der Koalition heftige Kritik einstecken muss, jubeln Teile der „Internetcommunity“ schon vorschnell (auch hier namentlich netzpolitik.org…)

Aber wenn bei der Bundespräsidentenwahl neben Blumensträußen und einem Bläserquintett auch Twitter eine „Affäre“ auslösen kann – dann spricht das nur dafür, dass so langsam nicht mehr der Drucker das wichtigste Internet-Tool in der Politik ist. Vielleicht gibt es Hoffnung.



Reisekunst mit Twitter
14. Mai 2009, 10:57
Filed under: digitalgebastel | Schlagwörter: , , , , , ,

Twitter ist vieles. Unter anderem eine riesige, kollektive Datensammlung. Die populärsten Links herauszufischen ist eine naheliegende Übung, wie sie z.B. rivva.de vollführt. Der kanadische Medienkünstler Jer Thorp hat nun Reisen von Twitter-Usern visualisiert – inspiriert von den Modellen, mit denen die Ausbreitung von Seuchen vorhergesagt wird.

Aus  Tweets wie „Just landed in XYZ“ lässt sich ziemlich einfach das Ziel der Reise entnehmen. Und der Heimatort steht im Twitter-Profil. Mit Processing aufgearbeitet entsteht ein großartiges Video.

via Spreeblick



Twitter baut Barrieren ab
24. April 2009, 12:59
Filed under: digitalgebastel, großartige kleinigkeiten | Schlagwörter: , ,

Microblogging-Dienste wie Identi.ca oder Twitter zwingen den Nutzer, sich auf 140 Zeichen zu beschränken. Das erscheint zurecht irgendwie komisch, haben viele Teilnehmer doch einen Internetzugang, dessen Bandbreite locker für einen Videostream reichen würde. Dass die künstliche Beschränkung irgendwie einen Reiz hat, zeigt der riesige Erfolg von Microblogging. Tagebücher, Homer, Programmiersprachen – alles wird getwittert. Auch automatisch:  Babys Fußtritte oder Chefs Fürze.

Findige Neurologen haben ein „Brain-Twitter Interface“ gebaut, mit dessen Hilfe man per Gedankenkraft Microbloggen kann. Mit 10 Zeichen pro Minute geht das Schreiben zwar nicht wirklich schnell, aber es gilt ja nur 140 Zeichen zu füllen. Für Patienten mit dem Locked-In-Syndrom ist die Kommunikation mit Gedanken oft die einzige Möglichkeit, sich auszudrücken.

Und genau für diese sehen die Forscher einen großartigen Effekt in der Popularität von Twitter:

I think it would make them feel, in the online world, that they’re not that much different from everybody else.

Wenn alle sich bemühen, ihr Statement auf 140 Zeichen einzudampfen, fühlen sich jene, für die jeder Buchstabe harte Arbeit bedeutet, nicht mehr so sehr eingeschränkt.

via Hack a day



Kurzer Prozess
17. Februar 2009, 22:56
Filed under: digitalgebastel, großartige kleinigkeiten | Schlagwörter: , , , , , ,

Processing ist eine Java-Bibliothek, die sehr einfach und elegant Zugriff auf Grafik-, Sound- und sonstige Interfacefunktionen bietet und die damit zurecht bei Programmierern, Installationskünstlern und VJs populär geworden ist.

Twitter ist sowas wie ein Instant-Messenger, nur dass die ganze Welt mitlesen kann und Nachrichten nicht länger als 140 Zeichen sein dürfen. Das ist irgendwie komisch, aber es lassen sich erstaunlich viele Dinge damit anstellen, weshalb Twitter auch sehr verbreitet ist.

Wer Twitter mag, läuft gerne herum und sagt „Das muss doch auch in 140 Zeichen gehen!“. Nicht immer liegt in der Kürze die Würze, häufig ist sie aber eine spannende Herausforderung.

Nun denn: Bei abstractmachine wurden einige sehr schöne Processing-Programme veröffentlicht, die in nur 140 Zeichen Code geschrieben wurden, z.B. so:

float x=2,i=random(1),y=2,j=random(1);void draw(){background(0);ellipse(x+=i,y+=j,10,10);if((x>99)||(x<1))i=-i;if((y>99)||(y<1))j=-j;}

Hut ab.